[15.05.2026] Es gibt Ausdauerleistungen, die sich schon beim Lesen kaum greifen lassen: 38 Kilometer Schwimmen, 1.800 Kilometer Radfahren und 422 Kilometer Laufen. Genau diese 10-fache Langdistanz hat die Berlinerin Margit Schreiber im vergangenen Jahr beim Bretzel Ultra Triathlon in Colmar bewältigt. Der Wettkampf fand vom 22. Juni bis 6. Juli 2025 im elsässischen Colmar statt und gehört zu den extremsten Formaten, die der Triathlonsport zu bieten hat. Während in diesen Tagen Ausdauerleistungen wie die von Arda Saatçi völlig zu Recht eine große mediale Aufmerksamkeit bekommen, zeigt Margit Schreibers Rennen, dass es im Schatten der großen Öffentlichkeit noch Leistungen gibt, die sportlich kaum weniger beeindruckend sind.

Der Bretzel Ultra Triathlon wird in Colmar ausgetragen. Das Schwimmen findet im 50-Meter-Becken des Stade Nautique de Colmar statt, anschließend geht es auf eine rund 8,75 Kilometer lange Radschleife durch Wald- und Weinbaugebiet sowie später auf eine Laufrunde in der Waldeslust, die auch nachts beleuchtet ist. Für die Athletinnen und Athleten bedeutet das: unzählige Runden, Tag und Nacht, immer wieder dieselben Wege – und ein Wettkampf, der nicht nur körperlich, sondern vor allem mental entschieden wird.

Für Margit Schreiber war der Start in Colmar kein spontanes Abenteuer. Bereits der fünffache Ultra-Triathlon im Jahr 2024 hatte sie motiviert, den nächsten Schritt zu wagen. Im Oktober 2024 meldete sie sich für den Deca 2025 an. Der Trainingsaufbau begann zum Jahreswechsel zunächst holprig: Laufen und Schwimmen mussten nach und nach wieder aufgebaut werden, auf dem Rad lief es dagegen stabil. Im März waren alle drei Disziplinen wieder auf einem soliden Niveau, im Mai folgte ein sehr erfolgreiches Trainingscamp.

In Colmar angekommen, galt es zunächst, das eigene Lager einzurichten und die Abläufe für die kommenden zwei Wochen zu organisieren. Unterstützt wurde Margit von ihrem Team um Frank, Heide und Josi. Gerade bei einem Wettkampf dieser Länge entscheidet nicht nur die Form der Athletin, sondern auch die Verlässlichkeit des Teams: Essen, Trinken, Kleidung, Schlaf, Sonnencreme, Licht, Kühlung, mentale Unterstützung – alles muss immer wieder im richtigen Moment funktionieren.

2025 Colmar 01. 38 km in diesem Pool

Tatort für 38 km Schwimmen

Das Schwimmen absolvierte Margit auf einer 50-Meter-Bahn, gemeinsam mit vier weiteren Frauen. Sie blieb unter ihrer eigenen Meldezeit von 16 Stunden und deutlich innerhalb des Cut-offs von 26 Stunden. Danach ging es in die Wechselphase, auf die Transferstrecke und hinein in den ersten langen Abschnitt auf dem Rad. Die Radstrecke verlangte nicht nur wegen der Distanz alles ab. Bei 205 Runden kennt man irgendwann jede Bodenwelle, jede schlechte Passage und jedes Loch im Asphalt. Hinzu kam die große Hitze: Teilweise stiegen die Temperaturen auf über 40 Grad. Der ursprüngliche Plan musste deshalb nahezu täglich angepasst werden.

Die Tage auf dem Rad folgten einem harten Rhythmus. Oft endete der Radtag erst gegen 22.30 Uhr, danach blieben Duschen, Essen und Schlaf. Schon um 3.30 Uhr klingelte wieder der Wecker, damit Margit gegen 4 Uhr erneut auf der Strecke sein konnte. Müdigkeit war dabei ein ständiger Begleiter. Kühlhandtücher, kurze Stopps, Salzbrezeln, Früchte, Kaffee, Eis und die Begleitung durch Frank oder Josi halfen, Runde für Runde weiterzufahren.

2025 Colmar 03. Ziel Rad nach 1.800 km

Margit nach 1800 km auf dem Rad 

Als der Radpart schließlich geschafft war, war das ein erster emotionaler Wendepunkt. Frank nahm Margit im Radziel das Rad ab, Heide reichte die Laufschuhe. Margit wechselte nur die Schuhe und absolvierte direkt noch zwei Laufrunden – ein kleines, aber wichtiges Signal an den Kopf: Das Radfahren war abgeschlossen, ab jetzt zählte nur noch der Lauf.

Auch die Lauftage entwickelten schnell ihren eigenen Rhythmus. Früh am Morgen begann Margit mit Stirnlampe und Jacke, später kamen Hitze, Sonne und wieder die immer gleichen Abläufe hinzu: trinken, essen, Füße versorgen, Socken wechseln, weitergehen, wieder anlaufen. Bis zum achten Marathon blieb sie ohne Blasen, danach wurden die Füße zunehmend zum Problem. Trotzdem arbeitete sie sich weiter durch die 422 Laufkilometer.

2025 Colmar 06. letzte Runde

Margit und ihr Team auf der letzten Laufrunde

Besonders dramatisch wurde es im Kampf um das Frauenpodium. Die ersten beiden Frauen waren bereits im Ziel, dahinter entwickelte sich ein enger Kampf zwischen Margit Schreiber und Nuppu Hepo-Oja aus Finnland. In der letzten Nacht wurde kaum noch pausiert. Margit ging um 1.45 Uhr wieder auf die Strecke, zunächst noch mit vier Runden Vorsprung. Die Schmerzen wurden größer, die Füße waren geschwollen, die Knie protestierten, doch sie hielt durch. Am Ende wuchs der Vorsprung wieder an. Die letzten Runden wurden zum emotionalen Finale: Deutschlandfahne, Zielbogen, Team an der Strecke – und schließlich der Moment, in dem Margit Schreiber ihren Deca-Traum vollendete.

2025 Colmar 07. Zieleinlauf Deca Traum

Margit im Ziel nach 298 Stunden 

Nach 298:19:23 Stunden erreichte Margit Schreiber das Ziel. In der Gesamtwertung belegte sie Platz 11, bei den Frauen wurde sie Dritte. Ihre Splitzeiten: 15:51:22 h für das Schwimmen und dem Transfer zur Radstrecke, 142:29:33 h auf dem Rad und 139:58:29 h für den Lauf. Insgesamt wurden 1.805 Kilometer gewertet.

Sieger des Rennens wurde Goulwenn Tristant aus Frankreich in 222:24:44 Stunden. Schnellste Frau war Shanda Hill aus Kanada in 225:10:25 Stunden, gefolgt von Alina Ranceva aus Litauen in 243:11:29 Stunden. Margit Schreiber komplettierte das Frauenpodium vor Nuppu Hepo-Oja, die nach 301:37:27 Stunden finishte.

2025 Colmar 09. Siegerehrung Deca k

Die ersten drei Frauen: Alina Ranceva (2.), Shanda Hill (1.) und Margit Schreiber (3.) 

Margit Schreiber hat in Colmar nicht nur eine Distanz bewältigt, die weit über das hinausgeht, was im Triathlon ohnehin schon als extrem gilt. Sie hat gezeigt, wie viel Erfahrung, Vorbereitung, Teamarbeit und mentale Stärke nötig sind, um über fast zwei Wochen hinweg immer wieder aufzustehen, weiterzufahren, weiterzulaufen und am Ende tatsächlich ins Ziel zu kommen.

Chapeau, Margit – und herzlichen Glückwunsch zu dieser besonderen Leistung!

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